Von heiss bis stürmisch, Blitz und Donner, Regen und Hagel: wettermässig wurde alles geboten. Von der Strecke her waren sich abschliessend alle einig: der Gigathlon 2012 war besonders lang, schwierig und anspruchsvoll.
Unter dem Teamnamen Five Päck rückten wir am Freitagnachmittag bei heissen Temperaturen im Gigathlon-Camp in Olten ein. Zeltaufstellen, nervöselen, „bisch-parat“-fragen, Werbegoodies krallen: die Stimmung war gut.
Am Samstag in der Früh folgte der langersehnte Start. Wale fuhr auf seinen Inline-Skates von Olten aus 52 km Richtung Altreu in die aufkommende Hitze hinein. Mit rotem Kopf und seinen obligaten, beeindruckenden Fersenblasen erreichte er die Wechselzone, wo ich im Neoprenanzug niedergarend auf ihn wartete. Heute hatte ich den Schoggi-Job. Schwimmen in der Aare bei angenehmen Wassertemperaturen. Böse Zungen behaupteten, ich könne mich ja nur auf den Rücken drehen – in 2 Stunden sei ich dann die 9 km bis Solothurn hinuntergespült. Pustekuchen! Die Aare fliesst auf dieser Strecke zäh wie Honig und so war ich eine anständige Weile mit Crawlen beschäftigt.
In Solothurn übernahm Rüedu die Bikestrecke. An dieser hatte er mächtig zu beissen. Als er zeigen wollte, wie stotzig gewisse Abschnitte waren, zeigten seine Handflächen nach oben. Auch von der technischen Seite her wusste er einige Schwänke zu erzählen. Dass ihn ein unflätiger „Chemp“ noch mit einem „Pladi“ beglückte, sei nur am Rande erwähnt. In Oensingen übernahm Röschu und stürzte sich auf die „Gümmeler“-Strecke. Er ging ab wie ein Zäpfchen und machte Rang um Rang gut. Da er während dem Rennen Krämpfe bekam, das Velo die letzten 100 m auf den Hauenstein schieben musste und es auf den letzten 10 km am liebsten ins nächste Tobel hinunter geworfen hätte, baute er sich eine anständige Wut im Bauch auf, welche am Sonntag noch nützlich sein sollte. In Sissach übernahm Lea die Laufstrecke. Es war immer noch sehr heiss, Schatten Mangelware und die Strecke gespickt mit vielen Steigungen. Als Lea am Abend mit gefühlten 45° C Körpertemperatur in Olten ankam, dampfte sie noch ein Weilchen vor sich hin und sagte nicht mehr viel.
In der Nacht auf Sonntag sei dann ein anständiges Gewitter über das Camp gefegt. Da ich entgegen meinem Naturell extrem gut geschlafen hatte, musste die arme Lea nächtens dreimal alleine auf, um Heringe in den Boden zu prügeln und das Zelt wieder zu fixieren. Sorry Lea, den nächsten Sturm mit dir zusammen in einem Zelt verschlaf ich bestimmt nicht mehr!!
Dann war eben nicht Sonn- sondern Regentag. Wider seinem vorabendlichen Gezeter von wegen „ich-kann-und-mag-nicht-mehr“ stieg Röschu doch tatsächlich wieder auf sein Rennrad. Wegen seiner Wut im Bauch kam er ¾ Stunden früher als geplant in der Wechselzone Sursee an – er brauchte für diese 95 km lange Strecke schlappe 42 Sekunden länger als der Radbahnprofi Franco Marvulli (gugsch du, was?)!! – wo ich mich eben just in den Neoprenanzug stopfte. Uups, Schwein gehabt.
Als ich mitten im Sempachersee unterwegs war, prasselten plötzlich Riesentropfen darnieder und spickten von der Wasseroberfläche wieder hoch, wozu die Sonne schien. Es entstand eine Stimmung wie in einem Märchen-Zauber-Feenland. Sogar die Rettungsschwimmer auf ihren Stand Up Paddles wurden in ein romantisch poetisches Licht gerückt.
Vom Paraplegiker-Zentrum Nottwil aus fuhr Wale auf seinen Inlines Richtung Rivella Rothrist.
Vorgängig hinterliess ein mächtiges Unwetter mit Hagel eine 3 km breite Schneise der Verwüstung sowie eine dicke Hagelschicht auf der Inlinestrecke im Wauwilermoos. Engagierte Anwohner säuberten die Strasse, damit die Inliner ungehindert durchfahren konnten, wohl noch bevor sie sich um ihre eigenen Schäden kümmerten. Auch das ist Gigathlon! Wale, der sich nichts sehnlicher wünschte als eine trockene Inlinestrecke, wurde gehörig verregnet. Dank seiner kurzfristig entwickelten Regen-Roll-Technik kam er gut und vor allem heil in Rothrist an. Dort wurde Lea auf ihrer Laufstrecke als erstes mit dem „Tuusiger-Stägli“ konfrontiert, einer Treppe mit 1‘150 Stufen. Auf der obersten steht „Bravo“. Lea hat sie bravourös gemeistert und war froh, dass es nicht mehr so heiss war, wie am Vortag. In Oensingen schickte sie Rüedu auf die abschliessende Bikestrecke.
Was Biken bei Regenwetter bedeutet, sahen wir vier Saubergepützen eindrücklich bei der Zielankunft im Kleinholz-Stadion zu Olten, wo wir auf Rüedu warteten. Da die Biker, welche ins Ziel kamen, beeindruckend dreckig waren, fragten wir uns, ob wir Rüedu überhaupt erkennen würden? Wale meinte: “Doch , doch! Den kenne ich auf 100“. Kurz darauf war es soweit. Lea und ich begaben uns auf die Innenseite der Tartanbahn und sahen dort einen besonders verdreckten Biker auf uns zukommen. Man sah nicht einmal mehr das Weisse der Augen (das war rot). Wir glotzten ihn an in der Meinung, dass wir den Falschen erwischt hätten. Plötzlich verzog dieser das Gesicht – ich denke es war ein Grinsen – und irgendwie hatte der eine gewisse Ähnlichkeit mit Gäumanns Rüedu. Auf jeden Fall hatte er nichts dagegen, dass wir mit ihm zusammen unter grossem Gelächter im Ziel einliefen. Bravo Rüedu!
Ruedi im Element
Wir waren froh, dass wir alle heil am Ziel angekommen waren, was alles andere als selbstverständlich war, wenn man so in die Runde guckte. Der Rang 320 von 900 Gestarteten machte uns noch ein bisschen stolz dazu.

Team Five Päck: Lea Schmid (Laufen), Marianne Blaser (Schwimmen), Ruedi
Gäumann (Bike), Roger Wyler (Rennvelo) und Walter Gäumenn (Inline Skates)
Abschliessende Quizfrage: Welches Mitglied vom Team Five Päck ging am Sonntagmorgen ohne Zeitmess-Chip an den Start und sorgte für ein Schreckensmomentchen? Unter den richtigen Lösungsvorschlägen wird ein Five Päck Bier verlost. Unten das Formular ausfüllen. Viel Glück!
Marianne Blaser